EXHIBITING AND THE EXHIBITION #2 Striking Constellations, or The Art of not Mediating (Art), with Ute Vorkoeper. / by Alexander Hahn

In the academic context, curating is still widely discussed within the fields of theory, the sciences, and at times even within design and arts management. In many cases, the new curating departments are founded upon the logic of expertise derived from these various cultural disciplines. The newer trend of the so-called “cur-artist”, which suggests a role reversal, could serve as a counter-example. In contrast with both models, my understanding is of the curatorial practice as a liminal space between artistic practice and theory, which is based on both an artistic education and theoretical studies. Crucial to me is – even in case of the interpretive reinstallations of Anna Oppermann’s works – not primarily caring for the artwork’s preservation, and not even its scientific or popular mediation, but rather the formation of space-time constellations, which strike and move. These develop in an open dialog with artists or in debate with already existing artworks. When they succeed, the constellations allow aesthetic experiences and enable unpredictable encounters that can disrupt the everyday. While curation in its literal sense sets its goal primarily at preserving the status quo – in the same way mediation serves to simply transfer and balance knowledge – I care instead for maintaing insecurity, unknowing and the unresolved. This approach can propel thinking and perception forward, all based on as much knowledge as possible.

(In German only)

Treffende Konstellationen. Oder: Die Kunst, (Kunst) nicht zu vermitteln

Im akademischen Kontext wird Kuratieren nach wie vor meist auf der Ebene von Theorie, Wissenschaft, ggf. noch Design und Management verhandelt und die Lehre im vielerorts neu gegründeten Fach findet auf der Basis von Fachwissen aus den verschiedenen Kulturdisziplinen statt. Als Gegenmodell wird der neuere Trend des sog. “Curartist” proklamiert, der die Verhältnisse umkehrt. Im Unterschied zu beidem verstehe ich die kuratorische Arbeit als einen Grenzgang zwischen künstlerischer Praxis und Theorie, die entsprechend beides, eine künstlerische Bildung und ein theoretisches Studium verlangt. Im Zentrum steht für mich – auch bei den interpretierenden Reinstallationen von Anna Oppermanns Ensembles – nicht die Sorge um den Erhalt eines Kunstwerks, ebenfalls nicht seine wissenschaftlich oder auch populäre “Vermittlung”, sondern die Gestaltung von zeiträumlichen Konstellationen, die treffen und bewegen. Sie entwickeln sich im offenen Dialog mit Künstlern oder in Auseinandersetzung mit bereits bestehenden künstlerischen Arbeiten und lassen, wenn sie gelingen, ästhetische Erfahrungen und unerwartete Begegnungen möglich werden, die den Alltag unterbrechen und öffnen. Während das Kuratieren dem Wortsinn nach primär auf den Erhalt eines Status quo zielt ebenso wie Vermittlung auf Wissenstransfer und Wissensausgleich, sorge ich mich um die Wahrung von Unsicherheit, Nicht-Wissen und Nicht-Aufgehen, die zu Antrieben für weitere Denk- und Wahrnehmungsbewegungen werden können. Und dies auf der Basis eines größtmöglichen Wissens.

26.01.2012, 8 pm

Image: Christian Hasucha – Probewohnen in Wilhelmsburg, 2010, copyright: Akademie einer anderen Stadt / Anna Mieves