Museum der Grausamkeit -Ein Ausstellungs-Seminar zur Identität des Museums Von Ellen Blumstein und Daniel Tyradellis / by Alexander Hahn

Echte Kultur wirkt durch den Überschwang und durch ihre Kraft, das europäische Kunstideal hingegen zielt darauf ab, den Geist auf eine von der Kraft geschiedene Haltung zu verweisen, die deren Überschwang zuschaut.
Antonin Artaud, Das Theater und sein Double

Angelehnt an Artauds „Theater der Grausamkeit“ fragt das auf zwei Wochen angelegte Projekt nach der Produktivität des Konzepts der ‚Grausamkeit’ bezogen auf das Museum als Institution. In Form eines multidisziplinären Experiments werden tradierte Formen der Wissensvermittlung und akademischer Lehre mit dem erfahrungsbasierten Erproben musealer Präsentationsformen verbunden, um die sichtbaren und unsichtbaren Gesetzen des Museums in Hinblick auf seine Präsentations- und Rezeptionsgewohnheiten zu exponieren und kritisch zu befragen.
Hierfür werden zwei parallele, sich ineinander verschränkende Bewegungen verfolgt: Im Salon entwickeln wir einen Vorschlag zu einem ‚Museum der Grausamkeit‘ ausgehend von der gemeinsamen Lektüre eines Vortrags Jacques Derridas (anlässlich einer Retrospektive der Bilder und Zeichnungen Antonin Artauds im New Yorker Museum of Modern Art (1996)). Dieser Text – mit dem Titel Artaud Moma –, in dem Derrida nach der Funktion des Museums heute fragt, die Rolle von Künstler und Kunstwerk wie auch Ausstellungsmacher und Publikum in den Blick nimmt und in der Folge Ansätze für ein neues Verständnis des gesellschaftlichen Ortes des Museums entwickelt, ist Ausgangs- und Referenzpunkt der Diskussion. 

Zeitgleich entsteht in Zusammenarbeit mit den Teilnehmern im angrenzenden Ausstellungsraum eine Reihe unterschiedlicher räumlicher Umsetzungen, die die im Text/Seminar behandelten Fragestellungen zu den visuellen, räumlichen und ästhetischen Bedingungen des Ausstellens praktisch erproben und sichtbar machen. Exponate hierfür gehen von der Auseinandersetzung mit den Arbeiten Antonin Artauds aus, weisen aber darüber hinaus, indem sie Themen, die von Derrida anhand von Artaud expliziert werden, in den aktuellen Kontext überführen und künstlerische Arbeiten, profane Objekte und Texte in einen Dialog mit Artaud und Derrida bringen.

Der Ausstellungsraum wird so als Experimentallabor genutzt, um gemeinsam unterschiedliche Objekt- und Werkkonstellationen zu schaffen, die sich über die Dauer des Projektzeitraums verdichten und zu einer Ausstellung anwachsen. So performiert das Ausstellungs-Seminar das Verhältnis von Ausstellungsobjekten (Kunst wie Nicht-Kunst) zu ihrer Gegenwart, den Zusammenhang von disziplinären Grenzen und Sehgewohnheiten, von Kultur und Raumerfahrung – und wie diese das Denken in Bewegung versetzen können. Artauds Begriff der ‚Grausamkeit’ entfaltet hier seine Bedeutung als Zerstörer allzu gewisser Differenzen wie der zwischen positiver Wissensvermittlung und ästhetisch-emotionalen Aspekten von Kunstrezeption.

Der Lektüreteil ist für jeden offen, erfordert aber eine Anmeldung. Die werdende Ausstellung ist für die gesamte Projektdauer für Besucher frei zugänglich. Zum Abschluss ist am 25. April eine Finissage geplant, in der die Inhalte zusammenfassend präsentiert und diskutiert werden.


Termine:

11. April, 20-22 Uhr (Einführung)
14. April, 14-16 Uhr (Theorie), 17-19 Uhr (Praxis)
16. April, 10-12 Uhr (Theorie), 13-15 Uhr (Praxis)
22. April, 14-16 Uhr (Theorie), 17-19 Uhr (Praxis)
25. April, 20-22 Uhr (Abschlusspräsentation, Ausstellung) 

anschließend gibt es eine Goodbye Party zur Sommerpause und das 2-jährige Bestehen des Salons wird gefeiert!

Die Termine bauen aufeinander auf, sind aber auch einzeln zu besuchen. Um Anmeldung wird gebeten unter info@salonpopulaire.de. Die Veranstaltungen finden auf Deutsch statt.

Bild: Antonin Artaud: Portrait Jany de Ruy, 2. Juli 1947