"Paradoxien des Öffentlichen." Vortrag von Hans-Jürgen Hafner Über Art & Language / by Kunstsaele

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Freitag , 17.11.2017,  19:00

(in deutscher Sprache, Eintritt frei, Dauer ca. 60 min)

Nicht zu Unrecht hat Alexander Alberro die (historische) Conceptual Art, am Beispiel der Akteure um den Kunsthändler und Entrepreneur Seth Siegelaub in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, als regelrechten Veröffentlichungskomplex diskutiert und als gemeinsames Merkmal sehr unterschiedlicher, unter den Vorzeichen des Konzeptuellen stehender künstlerischer Arbeitsweisen deren politics of publicity ausgemacht. Welche Vorstellungen des Öffentlichen waren diesen aber hinterlegt? An welche Öffentlichkeit aber richteten sich Veröffentlichungspraktiken – etwa in Form von Annoncen, Handlungsanweisungen, Publikationen-als-Kunstwerk oder Ausstellung –, die das Verhältnis zwischen künstlerischem content und dessen display grundsätzlich neu aushandelten und damit völlig neue Potenziale für die Produktions- und Zirkulationsweisen von Kunst erschlossen?

Das von 1968 an in unterschiedlichen personellen Konstellationen und seit Ende der 1970er Jahre bis heute von Michael Baldwin und Mel Ramsden vertretene Projekt Art & Language nimmt in mancher Hinsicht eine Sonderstellung innerhalb der historischen Formation der Conceptual Art ein – die es nicht unbedingt leichter macht, sich diesem Projekt im Nachhinein zu nähern oder gar einen ‚Einstieg’ zu finden. Gerade wer vor der Kategorie des ‚Werks’ in der Kunst instinktiv zurückschreckt, hätte umso mehr Arbeit mit dem schieren Output von Art & Language: die Diversität der für das Projekt in Anspruch genommenen, teils ziemlich coolen, teils penetrant pedantischen Produktions- und Distributionsformen, seine diskursive und gleichwohl exklusive Struktur und die damit verbundene eigene Historisierung und Institutionalisierung. Vom in fünf Jahrzehnten geschwollenen Rezeptionsapparat, vom harten Akademismus bis in die Fankurve hinein ganz zu schweigen.

Trotzdem: Art & Language steht eben auch für den, aus heutiger Sicht vielleicht allzu heroischen, Versuch gegen den kulturell/institutionellen Status quo und im Wissen um die herrschenden Verhältnisse eine alternative Kunst – oder die Alternative als Kunst – zu ermöglichen. Das möchte vielleicht auch zum aktuell immer noch anhaltenden Gespräch über Disruption passen, ist aber vor allem eine eminent öffentliche Angelegenheit. Diese hat allerdings so ihre Tücken...

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Hans-Jürgen Hafner arbeitet als Kunstkritiker, Autor und Ausstellungmacher mit einem Faible speziell für solche Kunst, die sich – auf welche Weise auch immer – noch nicht genug damit ist, Kunst zu sein.

Er hat solistische Ausstellungen u. a. mit Henry Flynt, Josephine Pryde oder Dominik Sittig realisiert und thematische etwa mit Fokus auf die Beziehungen zwischen Kunst und Ökonomie oder die Potenziale kunsthistorischer und kuratorischer Erzählweisen gemacht. Zusammen mit dem Maler und Kunstkritiker Gunter Reski hat er, flankiert von mittlerweile zwei entsprechenden Ausstellungen in Berlin (2012) und Wien (2017), den Sammelband „The Happy Fainting of Painting“ zur problematischen Diskurslage der Malerei herausgegeben.